Nach Kritik: DB plant offenbar Modernisierung der IC-Abteilwagen
Nach Intervention durch Schnieder rudert die Bahn bei dern Plänen für Intercity-Aus zurück
BERLIN/FRANKFURT. Eigentlich hatte der Fernverkehrs-Chef der Bahn andere Pläne. Michael Petersson wollte die klassischen Intercity-Garnituren im Laufe des Jahres aufs Abstellgleis rollen lassen und durch moderne Züge wie den ICE-L ersetzen. "Die klassischen Intercity-Wagen erfüllen nicht mehr die Anforderungen an einen modernen Fernverkehrszug. Deswegen investiert die Bahn derzeit massiv in die Modernisierung des Fernverkehrs. Wir werden die Intercity-1-Garnituren schrittweise im Laufe des Jahres 2026 durch andere Fahrzeuge ersetzten - auch um unsere Pünktlichkeit im Sinne der Reisenden zu erhöhen" erklärt DB-Sprecher Achim Stauß noch im Dezember bei einer Pressekonferenz.
Kein Wunder also, dass die Reisezug-Klassiker der Bahn aus dem Verkehr gezogen werden sollten, schließlich hat die Bahn sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: Bis 2030, so der Plan, sollen 80% aller Fernzüge pünktlich verkehren. Und da die alten Intercity-Waggons die meisten Verspätungen produzieren, müssen sie eben ersetzt werden.
Allerdings haben die neueren ICE-Triebzüge auch so ihre Schwächen, wie uns ein Sprecher von Pro Bahn auf Nachfrag erklärte: "Ein ICE-Triebzug ist immer eine feste betriebliche Einheit. Bei einer Fahrzeugstörung fällt der komplette Zug aus, es ist also nicht möglich einen einzelnen schadhaften Wagen einfach abzukuppeln." Auch für Verkehre im Ausland seien die ICE nur bedingt geeignet, da dort teilweise andere Stromsysteme verbaut sind. "Die klassischen Intercity-Wagen können ohne weiteres von Norwegen bis in die Türkei verkehren. Das kann der ICE einfach nicht." Außerdem seien die klassischen Intercity-Reisezugwagen nach wie vor die beliebtesten Fahrzeuge bei den Fahrgästen der Deutschen Bahn, wie eine Umfrage zeigt. Das klassische Gefühl im Abteil zu Reisen, können die ICE-Triebzüge nur schwerlich ersetzen.
Doch nicht nur bei Pro Bahn, auch im Bundesverkehrsministerium beobachtete man die DB-Pläne mit Sorge. In einem internen Bericht, der dem Ostdeutschen Anzeiger exklusiv vorliegt heißt es: "Die derzeitige Flottenstrategie der DB Fernverkehr AG lässt wichtige Belange der Anteilseigner außer Acht und ist im Hinblick auf die Versorgungssicherheit und flexibler Betriebsführung äußerst kritisch zu bewerten." Und: "Der vollständige Verzicht auf konventionelle Reisezugwagen wird insbesondere bei der gegenwärtigen Bausituation absehbar negative Effekte auf die Betriebsdurchführung haben. Desweiteren ist für den Fall einer militärischen Eskalation an der NATO-Ostflanke ein zügiges und flexibles Eingreifen erforderlich." Noch deutlicher wurde Patrick Schnieder (CDU): "Ich halte die gegenwärtige Fahrzeugpolitik der DB Fernverkehr für eine echte Skrupellosigkeit den Kunden gegenüber. Diese Fahrzeuge haben sehr hohe Beliebtheitswerte bei den Kunden. Es ist daher auch eine Frage der Generationengerechtigkeit, die Flachpark-Segerung für die kommenden Generationen sicherzustellen. Das sieht im Übrigen auch unser Koalitionspartner so. Ich habe Frau Palla gegenüber jedenfalls sehr deutlich gemacht, dass die Bundesregierung die Flottenpolitik beim Fernverkehr so nicht hinnehmen wird."
Auf schriftliche Nachfrage erhalten wir vom Verkehrsministerium die Antwort, das "bezüglich dieser Thematik bereits umfangreiche Gespräche von Seiten des BMVI mit Frau Palla und Herrn Petersson laufen". Hierbei sei deutlich geworden, dass die Flottenstrategie der DB nicht den Erwartungen des Bundes entspreche und angepasst werden müsse. DB-Sprecher Achim Stauß wollte sich gegenüber OA nicht im Detail äußern, bestätigte lediglich Gespräche mit dem BMVI.
Insider aus dem DB-Konzern berichten uns gegenüber von einer bereits laufenden Markterkundung. Demnach plane die DB die Anschaffung von 12 neuen Speisewagen, sowie jeweils 8 "Multifunktions-Steuerwagen" und 1. Klasse - Abteilwagen. Desweiteren sollen 25 Intercity-Wagen der bestehenden Flotte umfangreich modernisiert und an die Erfordernisse heutiger Fahrgäste angepasst werden. U.a. solle ein Hublift eingebaut werden. Diese bis zu 53 Reisezugwagen sollen dann zukünftig an zentralen Knotenbahnhöfen stationiert werden und bei Bedarf als Verstärker und Ersatzzüge eingesetzt werden.